Geotagging von Fotos – welches Tool?

Seit ein paar Jahren nutzte ich nun schon Garmin-GPS-Geräte (etrex H und etrex 30) und zeichne Tracks von meinen Wanderungen auf. Meistens habe ich die nur zu statistischen Zwecken genutzt oder damit die Openstreetmap verbessert, aber warum sollte ich nicht die mit meiner Digitalkamera geschossenen Fotos mit GPS-Positionen versehen?

Was ich für Erfahrungen gemacht habe bei der Suche nach einer geeigneten Software, lest ihr hier! 🙂

Eine erste kurze Internetrecherche zeigt: es gibt eine ganze Reihe solcher Geotagging-Softwares, aber viele sind nur für Windows verfügbar, oder aber nur für das händische Setzen der Position eines Fotos auf einer Karte. Am Ende habe ich aber ein paar Alternativen ausprobiert, die auf dem Mac funktionieren und außerdem auch selbst aufgenommene Tracks dafür verwenden.

Geotagging mit myTracks

Als erstes bin ich auf myTracks gestoßen, ein kostenpflichtiges Programm, das ich aber 4 Wochen kostenlos ausprobieren konnte (danach werden die Tracks abgeschnitten, d.h. ich kann die Funktion weiter probieren, aber immer nur mit einem Teil des Tracks). Die Software kostet 15 EUR.

Was mir daran gefällt:

  • leicht und gut zu bedienen
  • alle Funktionen die es fürs Geotagging braucht (z.B. Zeitkorrektur)
  • Automatische Batch-Bearbeitung mit verschiedenen Möglichkeiten, die Position vom Track zu übernehmen (Interpolation, Punkt danach)
  • Händisches Positionieren von Fotos geht auch: anhand der Karte und in verschiedene Varianten anhand des Tracks (letzter Punkt, nächster Punkt, interpoliert)
  • Kann man direkt mit Geocaching.com verbinden – habe ich aber nicht probiert. Nette Idee, das Tool kann man dann universell einsetzen
  • Foto-Import zu Flickr gibt es auch – ebenfalls noch nicht probiert

Was mir weniger gefällt:

  • Tacks werden importiert und das Programm dient als GPS-Track-Datenbank – das brauche ich eigentlich nicht, sondern habe andere Lösungen.
  • Fotos werden in der Standardkonfiguration auch importiert, immerhin kann man das umstellen, so dass Fotos nur in der Fotoablage vorgehalten werden und die GPS-Daten nur in die Datei auf Festplatte geschrieben werden
  • Die Bildschirmaufteilung erscheint mir nicht optimal: die Fotoablage liegt in einem eigenen Fenster über dem Programmfenster, und überlagert so teilweise die Kartenansicht, auf der ich die Positionierung der Fotos kontrollieren kann – vielleicht brauche ich aber auch einen größeren Monitor? 🙂
Geotagging mit der Fotoablage von myTracks

Geotagging mit der Fotoablage von myTracks

 

 

 

 

 

 

Geotagging mit gpsPhoto

Auf der Suche nach einem etwas einfacheren Tool bin ich auf gpsPhoto gestoßen, einem Kommandozeilentool. Darauf gestoßen bin ich auf das Programm in diesem Blogpost von 2007, der schnell erklärt, warum das eine tolle Software ist, aber auch gleich den Haken nennt: es ist ein Perl-Skript!

Perl ist natürlich auf dem Mac kein Problem, schließlich basieren neuere Mac-OS-Versionen auf Unix und da ist Perl einfach schon dabei. Aber es fehlen ein paar Pakete, die ich bei CPAN nachladen und installieren müsste. Was ja auf Unix-Systemen normalerweise kein Problem ist, aber während ich diesen Blogpost schreibe, lädt die benötigte Xcode-Applikation im App-Store runter…

Ich habe das Tool schließlich nicht zum Laufen bekommen.

Geotagging mit GPSPhotoLinker und PhotoLinker

Die Software GPSPhotoLinker, ist eine freie Software, die Pro-Version PhotoLinker kostet 22 EUR im Appstore. Auch hier gibt es eine 30tägige Testversion. Hingewiesen wird auf das Programm witzigerweise in den Kommentaren des oben genannten Blogposts.

Das letzte Update des Programms GPSPhotoLinker ist von 2012 und leider funktioniert diese Version nicht mit MacOS 10.12:

Fehlermeldung GPSPhotoLinker

Fehlermeldung GPSPhotoLinker – nicht mit OSX 10.21

 

 

 

 

 

Wenn man stattdessen die Trial-Version von PhotoLinker (also der Pro-Version) verwendet, klappt alles reibungslos. Ein Blick auf das Changelog zeigt, dass die letzte Version immerhin von 2015 stammt.

Geotagging mit Photolinker

Geotagging mit Photolinker

Was gefällt:

  • keine Datenbank, nur ein Werkzeug zum Taggen
  • Übersichtlicher Bildschirmaufbau
  • Auch hier: Geotagging anhand von vorherigem Punkt, nächstem Punkt oder interpoliert

Was nicht:

  • wenn Länge/Breite 0/0 in den Metadaten steht, glaubt das Programm, das seien schon echte Werte – macht meine Kamera anscheinend so (Klar, könnte schon sein, dass ich dort Fotos aufnehme…)
  • In der Landkartenansicht sehe ich die Fotos nicht direkt, sondern nur den Dateinamen – ich muss in den Single-Modus wechseln, um eine Kontrolle zu machen, ob alles passt
  • Wegen des automatischen Zooms werden die Fotos mit leeren Koordinaten (0/0) auf der Karten am Äquator angezeigt – im Single-Modus springt die Karte bei solchen Fotos immer dorthin (habe noch eine Einstellung gefunden, die das evtl. verhindert – nochmal ausprobieren).

Geotagging mit HoudahGeo

Nachdem die oben genannten Programme noch nicht 100% auf meine Bedürfnisse passten, habe ich weiter gesucht und bin in verschiedenen Blog-Posts auf HoudahGeo gestoßen. Diese Software scheint die Premium-Variante zu sein, kostet aber auch entsprechend: ca. 40 EUR muss man für die Einzel-Lizenz zahlen, es gibt aber auch eine Familien- und eine Site-Lizenz, was schon auf einen professionelleren Ansatz hinweist.

Screenshot HoudahGeo

Screenshot HoudahGeo

Was mir daran gefällt:

  • Alles an Funktionen, was ich brauche, also insbesondere auch Zeitkorrektur
  • ich kann Projekte anlegen und speichern, d.h. ich kann da weitermachen, wo ich vor ein paar Tagen aufgehört habe (Fotos und zugehörige GPX-Datei werden geladen)
  •  ich habe noch deutlich mehr Funktionen, die ich alle noch nicht ausprobiert habe 🙂
  • die schrittweise Bedienung: Laden, Aufbereiten, Ausgeben
  • Ausgabe der Fotos zu Flickr ist direkt möglich
  • Verschiedene Kartenanbieter möglich. u.a. Apple und MapQuest

Was mir nicht gefällt:

  • Leider keine OpenStreetMap-Verwendung vorgesehen
  • Bilder werden nicht direkt auf der Karte platziert – das würde es einfacher machen, die korrekte Position zu kontrollieren
  • Die Software bietet sehr viele Funktionen, ich brauche erst ein bisschen, bis ich mich an die Benutzung gewöhnt habe

 

Geotagging mit GPX Photo Tagger

Zuletzt bin ich auf die Idee gekommen, mal im Mac App-Store nach Geotagging zu suchen. Neben solchen Tools, bei denen man Fotos von Hand auf einer Landkarte platziert, gibt es auch GPX-Tagger. Einer davon ist der GPX Photo Tagger, der nur 4,49 EUR kostet.

Screenshot GPX Photo Tagger

Screenshot GPX Photo Tagger

Was mir daran gefällt:

  • Das Tool ist sehr einfach gehalten und übersichtlich in der Bedienung
  • Es gibt keine großen Einstellungsmöglichkeiten
  • Es tut was es soll, hat keine Vielzahl von Features, bei denen der Gelegenheitsnutzer sich immer überlegen muss, wozu das noch gut war (wie bei den oben genannten Programmen 🙂
  • Neben den Apple-Karten können auch verschiedene OpenStreetMap-Varianten verwendet werden
  • Fotos werden auf der Karte platziert, ich kann also sehen, welche getaggt wurden
  • Der Preis 🙂

Was mir nicht gefällt:

  • Es gibt keine Testlizenz, ich muss zum ausprobieren erst kaufen.
  • Ich habe keine Möglichkeit gefunden, einen Offset in der Zeitmessung zu korrigieren (z.B. wenn die Uhr der Kamera falsch geht) – dazu wird der GPX Editor des gleichen Herstellers empfohlen
  • Ohne GPX-Track kann ich nichts machen – ich kann ein Photo nicht von Hand platzieren
  • Fotos, die schon Positionsdaten enthalten, werden auch auf der Karte platziert, mir ist aber nicht klar, ob neue Positionsdaten geschrieben werden
  • Fotos, die anhand des Tracks nicht positioniert werden konnten, sind nicht markiert in der Liste, ich muss also an anderer Stelle rausfinden, welche Fotos noch getaggt werden müssen. Es gibt nur einen Hinweis („46 Fotos wurden getaggt“, wenn ich weiß, dass ich 55 Fotos habe, sehe ich den Unterschied)

Abschließend: was nehmen zu Geotagging?

Alle Programme tun was sie sollen, haben Vor- und Nachteile, ich bin noch nicht entschieden. Ich teste noch ein bisschen und entscheide dann, welches ich zukünftig verwende (und dazu auch kaufe).

Ich kann aber jetzt schon zusammenfassen:

  • GPX Photo Tagger ist das günstigste Tool und macht, was es soll. Wenn die Funktionen ausreichen, dann spricht nichts gegen den Kauf!
  • HoudahGeo ist die Luxus-Variante einer derartigen Software. Erst war ich versucht zu schreiben, dass mir der Preis nicht gefällt, aber 40 EUR ist für den Funktionsumfang nicht zu viel verlangt. Insbesondere ist diese Software in aktiver Entwicklung, es gibt Support und ein Nutzerforum.

Eure Empfehlungen? Welches Tool nutzt ihr auf dem Mac?

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